Malerei und Zeichnung vor der Natur
30. Juli - 12. August 2012
GABRIEL BAUMÜLLER: Bildhauerei im Schafhof – SABINE BERR: Offene Werkstatt – CORNELIA EICHACKER: Farbe, Lichtwert, Landschaftsmalerei – STEFAN ZEILER: Der Mensch in der Natur

Die Natur war für die Künstler immer schon ein Anlass zu Gestaltung und künstlerischer Reflexion. Viele Fragestellungen der Malerei haben ihren Ursprung in der Auseinandersetzung mit der Natur: Farbe, Licht, Räumlichkeit, Abbildung, Abstraktion. Bilder helfen uns dabei, die Wirklichkeit, die uns umgibt, zu sehen, zu verstehen und tiefer zu erleben.
Der Anblick einer Landschaft, einer menschlichen Figur weckt in uns Empfindungen, die sich auf wundersame Weise in Malerei und Zeichnung ausdrücken lassen. Farben, Formen, Linien machen unser inneres Erleben sichtbar. Je genauer wir beim Malen unserer Empfindung folgen, desto mehr nimmt sie Gestalt an, desto wahrer" wird das Bild, desto mehr teilt es uns mit.
Wir laden Sie herzlich ein, in der ansprechenden Landschaft rund um den historischen Schafhof sich aufs Malen vor der Natur oder das freie Komponieren von Bildideen einzulassen! In allen Techniken - Ölmalerei, Acryl, Aquarell, Gouache, Zeichnung - bekommen Sie kompetenten Rat bei der Umsetzung Ihrer Vorhaben. Sie erfahren zudem individuelle Unterstützung bei der Suche nach dem eigenen Ausdruck und eine schrittweise Einführung in die Probleme der Bildgestaltung. Nicht zuletzt freuen wir uns auf anregende Kunstdiskussionen und natürlich auf gutes Wetter. Andernfalls ist ein Ausweichen in die Räume vor Ort möglich.
Thema: Warum eigentlich vor der Natur malen? Überlegungen zum Verhältnis Bild - Natur ![]()
Eindrücke von den bisherigen Sommerakademien auf dem Schafhof
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Warum eigentlich vor der Natur malen?
Überlegungen zum Verhältnis Bild - Natur
von Stefan Zeiler
Immer schon hat es die Menschen angetrieben, ihr Verhältnis zu der Welt, in der sie lebten, auch gestalterisch zu definieren. Neben mythischen und religiösen Bildinhalten richtete sich der Blick der Künstler dabei immer mehr auf die natürliche Erscheinung, auf den lichterfüllten Raum, auf das menschliche Empfinden. Das real Gesehene drängt zu bildmäßigen Formen, die Äquivalente schaffen zu Natur und Wirklichkeit. Sichtbare Wirklichkeit wird zum Anlass für Kunst.
Ob es in Ägypten oder Griechenland die Würde und Natürlichkeit der menschlichen Gestalt ist, ob es die (Wieder)Entdeckung des plastischen Volumens und der Ausdrucksgebärde ist bei Giotto, ob es die Beobachtung des Lichteinfalls ist in der Malerei nach Caravaggio, das kosmische Landschaftsereignis in den Bildern Pieter Breughels, die Reiseaquarelle Dürers, ob es die Provence ist für Cézanne oder Van Gogh, das Mittelmeer für die Fauves, die Menschen, Gegenstände, Örtlichkeiten seiner jeweiligen Lebensphasen für Picasso, das weibliche Modell für Schiele, das moderne Großstadtambiente für Degas oder Seurat oder das im Licht versinkende Venedig und das Meer für Turner, ob es eine junge Frau in einem Zimmer ist für Vermeer, ob es alte Bäuerinnen sind für Leibl, ihre Trachten, oder Prunkgewänder spanischer Infantinnen für Velasquez, oder, nicht zuletzt, die unspektakuläre Vorstadt und die Gärten für die Impressionisten, stets wurden Menschen, Dinge, Landschaften als reales Gegenüber von den Malern ernst genommen, neu gesehen, komponiert, abstrahiert, leidenschaftlich umgesetzt in Malerei oder Zeichnung.
Maler suchen die Natur auf - oder stellen sie sich vor - um ihr malerisches Potential differenzierter freizusetzen als sie es mit nur aus sich heraus geschöpften Formen oder Farben könnten. Es gibt nichts Geheimnisvolleres als die Wirklichkeit, sagt Morandi. In den letzten Jahren lässt sich eine neue Wertschätzung für Malerei, die die Natur zum Thema hat, erkennen. Wir möchten sie einladen, konzentriert und ungestört sich auf dieses umfangreiche Thema einzulassen, alle Möglichkeiten der Verfremdung, Abstraktion und persönlicher Interpretation zu entdecken: Malerei als Anschauung von inneren Zusammenhängen in und über äußere Gegebenheiten. Auch gerade in den Zeiten digitaler “Wirklichkeiten” ist die reale Welt - und es gibt davon nur eine - notwendiger denn je als einzig objektiver und verlässlicher Bezugspunkt, um nicht in Beliebigkeit oder Willkür zu verfallen.
Vier professionelle Künstler stehen sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen gern zur Seite bei der Bewältigung ihrer malerischen Vorhaben, bei der Erörterung maltechnischer Probleme und Fragen zur Kunst allgemein. Bildbesprechungen und interessante Diskussionen runden die Sommerakademie im Schafhof Freising zu einem bleibenden Erlebnis, das sich viele unserer Kursteilnehmer schon zum wiederholten Male nicht entgehen lassen.























